Zusammenarbeit von Rechtsanwalt und Steuerberater im Steuerstrafverfahren

Für Steuerberater stellt sich immer dann, wenn ihre Mandanten mit dem Vorwurf einer Steuerstraftat konfrontiert werden, die Frage, ob und in welcher Weise sie die Vertretung dieser Mandanten im Steuerstrafverfahren übernehmen und führen sollen. In diesem Zusammenhang ergeben sich vielfältige Probleme.

1. Rechtliche Befugnisse des Steuerberaters in Strafverfahren

In den Fällen, in denen die Finanzbehörden das Ermittlungsverfahren eigenständig durchführen - das sind in der Praxis die weitaus meisten Fälle - darf der Steuerberater gemäß § 392 AO ohne die Mitwirkung eines Rechtsanwaltes verteidigen. Kommt es allerdings zu einer Abgabe der Sache an die Staatsanwaltschaft, darf der Steuerberater nur in Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt die Verteidigung weiterführen. Auf der anderen Seite hat ein Rechtsanwalt die Möglichkeit, auch all die Tätigkeiten auszuüben, die üblicherweise vom Steuerberater wahrgenommen werden.

2. Kompetenz- und Interessenverteilung zwischen Steuerberater und Rechtsanwalt

Die Tätigkeit des Steuerberaters ist dadurch gekennzeichnet, dass er, meist in kontinuierliche Arbeitsweise, die Vertretung seiner Mandanten im Besteuerungsverfahren übernimmt. Zum Rechtsanwalt, insbesondere zum Strafverteidiger, kommen die Mandanten dann, wenn es brennt, also, um einmalig auftretende Probleme zu lösen. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch das Auftreten der verschiedenen Berater gegenüber den Finanz- und Ermittlungsbehörden da. Der Steuerberater kennt das Alltagsgeschäft des Besteuerungsverfahrens ganz genau. Der Rechtsanwalt und Verteidiger ist vertraut mit der besonderen Verfahrens- und Prozesssituation des Strafverfahrens und den einschlägigen Rechtsmitteln und -behelfen. Während der Steuerberater meist bemüht ist, die Vertretung seines Mandanten im Konsens mit den zuständigen Behörden zu erledigen, ist der Rechtsanwalt und der Verteidiger eher gewöhnt, seinen Mandanten im Konflikt und auf konfrontative Weise gegenüber den Finanzbehörden, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten zu vertreten.

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3. Praktische Ausgestaltung

Wegen der unterschiedlichen Kompetenzen und der unterschiedlichen Herangehensweisen von Steuerberatern und Rechtsanwälten ist eine frühzeitige Zusammenarbeit im Steuerstrafverfahren oft, gerade in gravierenden Fällen, sinnvoll und notwendig. Wie diese Zusammenarbeit auszugestalten ist, hängt im Wesentlichen von der Schwere des strafrechtlichen Vorwurfs ab.

In leichten Fällen, in denen die Nacherhebung von Steuern im Vordergrund steht und etwaige strafrechtlichen Sanktionen nur eine Nebenrolle spielen, ist es meist zweckmäßig, wenn die Betreuung des Mandanten federführend vom Steuerberater geleistet wird, der auch die Vertretung nach außen gegenüber den Finanz- und Ermittlungsbehörden übernimmt. Flankierend dazu wird es gegebenenfalls sinnvoll sein, wenn sich der Steuerberater und sein Mandant über die strafrechtlichen Sanktionsmöglichkeiten und Gefahren intern durch einen Rechtsanwalt und Strafverteidiger beraten lassen.

In schweren Fällen, in denen bereits strafprozessuale Zwangsmaßnahmen, insbesondere Durchsuchungen, Beschlagnahmen oder sogar Untersuchungshaft, gegenüber dem Mandanten eingeleitet worden sind, ist die Beteiligung eines Strafverteidigers auch im Außenverhältnis gegenüber den Ermittlungsbehörden angezeigt. Der Verteidiger ist eher gewohnt, die Rechtmäßigkeit solcher strafprozessualen Zwangsmaßnahmen zu überprüfen und entsprechende Gegenmaßnahmen oder Rechtsbehelfe einzuleiten. Der Strafverteidiger wird aber in den ganz überwiegenden Fällen nicht ohne die besonderer Kompetenz des Steuerberaters auskommen, da einerseits in gravierenden Fällen natürlich auch das Besteuerungsverfahren eine ganz wesentliche wirtschaftliche Rolle spielt und das Ausmaß der hinterzogenen Steuern eine entscheidende Bedeutung bei der Festsetzung einer angemessenen strafrechtlichen Sanktionen einnimmt. Deswegen muss die Verteidigung immer auch mit Nachdruck im Besteuerungsverfahren geführt werden.

4. Ausscheiden des Steuerberaters aus dem Mandatsverhältnis zum Mandanten

In Ausnahmefällen mag es angezeigt sein, dass der Steuerberater aus der Vertretung seines Mandanten im Steuerstrafverfahren ausscheidet. Das ist immer dann der Fall, wenn aus Sicht der Ermittlungsbehörden Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dem Steuerberater Tatsachen über die Steuerunehrlichkeit seines Mandanten schon vorher bekannt gewesen sind. Derselbe Verdacht kann auch zu Lasten eines Rechtsanwaltes entstehen, wenn dieser schon vor dem Steuerstrafverfahren dem Mandanten juristische Hilfestellung geleistet hat. In diesen Fällen besteht zumindest aus Sicht der Steuerfahndung ein Anfangsverdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Ein mit einem solchen Verdacht belasteter Berater oder Verteidiger wird seinen Mandanten nicht mehr mit vollem Engagement vertreten können, weil er selber gehemmt ist und aus der Sicht der Ermittlungsbehörden als möglicher "Komplize" seines Mandanten und nicht mehr als ernstzunehmender Kontrahent in möglichen Verhandlungen erscheint.

Es sind Konstellationen denkbar, bei denen der Berater als Zeuge für die Redlichkeit seines Mandanten in Frage kommt und den Mandanteninteressen weit besser dienen kann, wenn er aus der Vertretung ausscheidet, um in Zukunft als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Ein solcher Fall ist dann gegeben, wenn der Mandant zwar alle für die Festsetzung erheblichen Tatsachen zutreffend mitgeteilt, aber mit bestem Gewissen einen möglicherweise falschen Rat seines Steuerberaters oder Rechtsanwalts befolgt hat und es deswegen zu einer unrichtigen Steuerfestsetzung gekommen ist. Ein solches Verhalten des Beraters mag einen Haftpflichtfall auslösen, ist aber natürlich nicht strafbar.

Ein Steuerberater oder Rechtsanwalt sollte auch dann nicht bei der Vertretung des Mandanten im Steuerstrafverfahren mitwirken, wenn er vorher wegen der Möglichkeit einer strafbefreienden Selbstanzeige gemäß § 371 AO konsultiert wurde, es zu einer solchen Selbstanzeige dann aber nicht gekommen ist. In diesem Fall sind dem Berater möglicherweise Tatsachen bekannt, die im Steuerstrafverfahren besser verborgen bleiben. Wenn ein solcher Berater dann an einer tatsächlichen Verständigung mitwirkt, die auf unrichtigen Besteuerungsgrundlagen beruht, macht er sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig.

Insofern liegt die frühzeitige Niederlegung eines entsprechenden Mandats nicht nur im Interesse des Mandanten, sondern auch im Interesse des Beraters, sei er nun Steuerberater oder Rechtsanwalt.

5. Schlussbemerkung

Voraussetzung für eine effektive und gedeihliche Zusammenarbeit von Steuerberater und Rechtsanwalt sind folgenden Faktoren:

  • frühzeitige gegenseitige Einschaltung in die Vertretung des Mandanten
  • umfassende gegenseitige Information und Koordination
  • absolutes Vertrauen untereinander


Da sowohl der Steuerberater, als auch der Rechtsanwalt letztendlich zumindest auch Unternehmer sind, muss klar sein, dass es bei der Zusammenarbeit nicht darum gehen darf, sich gegenseitig "Pfründe", d. h. Mandanten abzujagen oder abspenstig zu machen. Da, wie oben schon ausgeführt, die Interessenlagen von Steuerberater und Rechtsanwalt insofern unterschiedlich sind, als dass der Steuerberater an einem ständigen Mandat interessiert sein muss, während der Rechtsanwalt nur als "trobble shooter" auftritt, sollten sich hier eigentlich keine Probleme ergeben, insbesondere dann, wenn der Rechtsanwalt nicht mit Steuerberatern soziiert ist und keine eigene Steuerberatungsabteilung unterhält.

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